Abe Lenstra.html

 
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Ús Abe. Standbild Abe Lenstras am Abe-Lenstra-Stadion
Ús Abe. Standbild Abe Lenstras am Abe-Lenstra-Stadion

Abe Lenstra (* 27. November 1920 in Heerenveen; † 2. September 1985 ebenda) war ein niederländischer Fußballspieler. Er spielte seit der Jugend in seiner friesischen Heimat für den VV Heerenveen und ab 1955 in Enschede. In seinen 47 Spielen für die niederländische Nationalmannschaft erzielte er 33 Tore. Neben Johan Cruijff gilt er als einer der besten niederländischen Spieler des 20. Jahrhunderts. Doch obwohl er auf dem Fußballplatz großen Ruhm bei den Fans errang, machte er sich durch seine eigensinnige, launische Art kaum Freunde unter seinen Mitspielern. Die letzten acht Jahre seines Lebens verbrachte der Sportler nach Hirnblutungen im Rollstuhl. Sein Heimatverein SC Heerenveen benannte nach seinem Tod sein Stadion nach Abe Lenstra.

Inhaltsverzeichnis

Bearbeiten Vereinskarriere

Wie so viele Spieler seiner Generation lernte Abe Lenstra das Fußballspielen auf der Straße.[1] Im Mai 1931 fiel er erstmals bei einem jährlichen Schulturnier auf, das von der Voetbalvereniging Heerenveen mitgetragen wurde. Abe war der jüngste und kleinste Teilnehmer und spielte in einem Team gemeinsam mit seinem Bruder. Nach dem Turnier im folgenden Jahr erkannte auch der neue Trainer des VV Heerenveen, der Schotte und Ex-Profi von Charlton Athletic, Syd Castle, das Talent des Jungen. Drei Tage nach seinem zwölften Geburtstag wurde Abe Lenstra Mitglied des Vereins. Während sein anderthalb Jahre älterer Bruder Jan bereits in der ersten Nachwuchsmannschaft antrat, wurde Abe zunächst im zweiten Nachwuchsteam eingesetzt. Doch in seinen ersten Spielen erzielte er als Mittelstürmer so viele Tore, dass er schnell in Jans Mannschaft aufrückte.

In dieser Saison 1932/33 übernahm der Österreicher Otto Pinter, ehemaliger Spieler von Rapid Wien, das Training bei den Friesen. Während Castle den englischen Spielstil mit langen Pässen auf die Flügel eingeführt hatte, war Pinter Bewunderer des technisch anspruchsvolleren Kombinationsspiels des „Wunderteams“ aus seiner Heimat. Lenstra übernahm dies von Pinter. Der Österreicher verglich Abes Spielintelligenz und Technik mit der von Matthias Sindelar, der zu dieser Zeit als bester Spieler des Kontinents galt. Lenstra sagte 1970 rückblickend über seinen ersten Trainer:

„Ich hatte das Talent, aber ich habe auch viel gelernt, vor allem von Otto Pinter. ... Wir probierten alles aus, was ich noch nicht konnte. ... Wenn wir fertig waren, sagte er: ‚Wir sind wieder ein Stückchen weiter!‘ Vor allem in der Anfangszeit war das sehr wichtig für mich.[2]

Am 1. März 1936 gab Abe Lenstra an der Seite seines Bruders sein Debüt in der zweiten Herrenmannschaft des VV Heerenveen, Jan spielte Linksaußen, Abe auf Halblinks. Beim 12:1-Sieg gegen Alcides Meppel machte Abe drei Tore; Jan wurde nach seinen sechs Treffern zur ersten Mannschaft berufen. Abe musste bis zum Sommer warten, ehe er zu einem Freundschaftsturnier ebenfalls in den Kader kam, die nun wieder der aus England zurückgekehrte Castle trainierte. Am 16. Juli 1936 kam er so, noch 15-jährig, zu seinem ersten Einsatz bei den „Herren“, hier zunächst auf Halbrechts, da die halblinke Position durch den Topscorer des Teams, Jan „Bob“ Krikke, besetzt war. In dem Match gegen Gorredijk, das 2:2 endete, markierte er den Ausgleichstreffer zum 1:1 - „ein prächtiges Tor“, wie der Chronist der Zeitung Hepkema's Courant berichtete.[3] In der folgenden Saison 1936/37 eroberte Abe Lenstra sich bereits einen Stammplatz.[1]

Der Stürmer war in dieser Spielzeit mit 19 Toren einer der besten Torschützen der tweede klasse, der zweithöchsten niederländischen Spielklasse, und trug damit wesentlich zum Aufstieg des VV bei. Ab 1937 etablierte sich das Team in der höchsten Spielklasse Eerste Klasse Noord. Dank Lenstra, der bis heute als bester Fußballspieler gilt, den Heerenveen jemals hervorbrachte,[4] konnte die Mannschaft ab der Saison 1941/42 bis zur Spielzeit 1950/51[5] in jedem Jahr als Nordmeister in die Endrunde um die Niederländische Meisterschaft einziehen. Beste Platzierung in der niederländischen Meisterschaft war zweimal Platz zwei in den Saisons 1946/47 und 1947/48.[6] Er war ein kompletter Spieler; er hatte die Begabung, aus dem Stand schießen zu können, und das rechts- wie linksfüßig.[1] Mit samtener Technik, grandioser Übersicht, blitzschnellem Schuss und ein paar täuschenden Bewegungen schaltete er seine Gegenspieler aus. Manchmal erweckte er den Eindruck, er sei gar nicht im Spiel – um dann blitzschnell Freund und Feind mit einem genialen Pass, einem geschickten Trick oder dem tödlichen Schuss zu überraschen.[7] Er selbst sah das recht pragmatisch:

Ein guter Fußballspieler ist ein bisschen wie ein Hecht; man muss nicht viel tun, wenn man nur zeitig zuschnappt.[8]

Als Kämpfer, der seine Mannschaft auch bei fast aussichtslosem Rückstand noch zum Sieg führte, machte er sich in zwei Spielen einen Namen. Das erste war ein Match in Maastricht am 21. Juni 1947, als Heerenveen nach 0:4-Rückstand noch mit 7:6 gewann.[1] Sein bekanntestes Spiel im Dress der Friesen machte er am 7. Mai 1950 gegen Ajax Amsterdam, in dessen Team damals unter anderen Rinus Michels stand. Eine halbe Stunde vor Abpfiff war der Spielstand 1:5 gegen Heerenveen. Doch den Friesen gelang es, aus dem Rückstand noch einen 6:5-Sieg zu machen. Lenstra erzielte dabei die ersten beiden Tore und hatte großen Anteil an der Vorbereitung der weiteren Treffer. Wie jedes Genie hatte Lenstra aber auch seine Macken.[9] Im Jahr darauf spielte Heerenveen in der Meisterschaft unter den Möglichkeiten, und Lenstra, der sich nicht ganz fit fühlte, ließ das Heimspiel gegen Blauw-Wit einfach aus. Er kam nicht einmal in den Sportpark, um das Spiel zu sehen; gegenüber einem Journalisten gab er an, er sei „fußballmüde“.[10]

Lenstra wurde von vielen europäischen Profiklubs umworben; Inter Mailand und Rot-Weiss Essen[11] buhlten um ihn; der AC Florenz bot ihm 1951 125.000 Gulden, für diese Zeit ein gigantischer Betrag; als das nicht fruchtete, schickten die Florentiner gar einen Blankoscheck. Doch Lenstra unterschrieb nicht.[12] Er wies alle Angebote aus dem Ausland mit dem Argument zurück, er wolle sich nicht als „Sklave“ verkaufen:

Wenn man Profi wird, hat man nichts mehr mitzureden, und der Klub kann mit einem machen, was er will.[13]

Am liebsten hätte er „sein“ Heerenveen gar nicht verlassen; erst als es im Verein 1954/55 heftige Meinungsverschiedenheiten zur Einführung des Profitums gab,[14] wechselte er 1955 als Halbprofi nach Enschede, wo er insgesamt sechs Spielzeiten zunächst für den Sportclub Enschede (für den er das erste Tor im damals neuen Diekmanstadion erzielte) und später für die Enschedese Boys spielte. Am 15. Juni 1958 stand er ganz dicht davor, endlich den niederländischen Meistertitel zu holen. SC Enschede und DOS aus Utrecht standen am Ende der Eredivisie-Saison punktgleich an der Spitze, und der Meister musste in einem Entscheidungsspiel bestimmt werden; Enschede verlor in Nimwegen allerdings nach der dritten Verlängerung (à siebeneinhalb Minuten) der Partie durch einen Treffer des damals „besten Mittelstürmers der Niederlande“[15] Tonny van der Linden mit 0:1.

Zwischen seinem 34. und 39. Lebensjahr erzielte Lenstra beim SC Enschede in 135 Spielen 89 Tore. Er war fast 40, als ihn der SC für 45.000 Gulden an den Stadtrivalen Enschedese Boys verkaufte.[12] Hier beendete er 1963, mit 42 Jahren, seine aktive Laufbahn. In seinen 27 Jahren in der höchsten niederländischen Spielklasse erzielte Lenstra allein in den Ligaspielen für die drei Vereine von 1936 bis 1963 rund 700 Tore in etwa 730 Spielen, eine im niederländischen Fußball einzigartige Leistung.[12]

Bearbeiten Stationen

  • VV Heerenveen (1936–1955, zuletzt Eerste klasse B)
  • SC Enschede (1955–1960, zuletzt Eredivisie)
  • Enschedese Boys (1960–1963, Eerste klasse)

Bearbeiten Nationalmannschaft

Mit 16 durfte Lenstra das erste Mal mit einer Auswahl der Nordniederlande auflaufen, in Hannover ging es gegen eine norddeutsche Auswahlmannschaft,[1] Lenstra erzielte vier Tore.[16] Mit 19 Jahren spielte er das erste Mal für die Nederlandse elftal, für die er mit Unterbrechungen fast 20 Jahre aktiv sein sollte. Am 31. März 1940 in Rotterdam bei der 4:5-Niederlage gegen Luxemburg erzielte er auch in der zehnten Spielminute gleich sein erstes Tor für die Niederlande. Nach dem zweiten Spiel gegen Belgien verhinderte der Zweite Weltkrieg weitere Spiele. Nach dem Krieg war er 1946, am 10. März beim 6:2-Sieg in Luxemburg, direkt wieder in der Nationalelf. 1948 nahm er an den Olympischen Spielen teil, erzielte in den beiden Spielen der Niederländer jedoch kein Tor.

Torwart
re. Läufer
re. Verteid.
Mittelläufer
li. Verteid.
li. Läufer
Halbrechts
(7-mal)
Halblinks
(25-mal)
Rechtsaußen
(5-mal)
Mittelstürmer
(3-mal)
Linksaußen
(7-mal)
Einsätze in der Nationalelf
(nach Position; Anzahl in Klammern)

Der eigenwillige Friese war im Sturm auf allen Positionen einsetzbar. Bei seinen Auftritten im Nationaldress spielte er fünfmal auf Rechtsaußen, siebenmal auf Halbrechts, dreimal als Mittelstürmer, siebenmal auf Linksaußen – und in 25 Länderspielen wurde er auf seiner Lieblingsposition Halblinks eingesetzt.[17] Eine Zeitlang hatte er damit Probleme, es gab Streit zwischen ihm und der Auswahlkommission der Nationalmannschaft, wenn sie ihn nicht auf Halblinks spielen lassen wollte. Das führte dazu, dass er einige Male Einladungen ausschlug und von April 1953 bis März 1956 sogar nur ein einziges Länderspiel absolvierte.

Bei seinem Comeback 1956, das nicht zuletzt ein Verdienst des österreichischen Bondscoachs Max Merkel war, war Lenstra zweifacher Torschütze in seinem wohl besterinnerten Länderspiel. Die Niederländer besiegten am 14. März 1956 in Düsseldorf vor 40.000 Zuschauern – 10.000 davon niederländische Fans[16] – den amtierenden Weltmeister Deutschland mit 2:1. Das Gegentor war dabei ein Eigentor von Cor van der Hart. Merkel in seiner Autobiographie über den Friesen:

„Nur mit einem Spieler hatte ich einige Schwierigkeiten, mit Abe Lenstra. Er machte mir etwas zu sehr auf Star, und ich hatte Angst, er könnte mir den guten Geist in meiner Truppe kaputtmachen.[18]

Nach einem Vier-Augen-Gespräch aber verstanden sich die Beiden so sehr, dass Lenstra später die Frage nach seinem besten Trainer mit „Max Merkel“ beantwortete,[19] obwohl er unter ihm nur drei Länderspiele absolvierte. Gemeinsam mit Faas Wilkes und Spielmacher Kees Rijvers bildete er als halblinker Stürmer in diesen Jahren das „Goldenes Innentrio“ (Gouden binnentrio) genannte Herzstück im Angriff der niederländischen Mannschaft. Die drei hatten erstmals im ersten Nachkriegsländerspiel am 10. März 1946 in Luxemburg[20] gemeinsam gespielt – bei dem 6:2-Sieg der Niederländer erzielte Lenstra allerdings keinen Treffer; Wilkes hingegen traf gleich viermal.[21] Im letzten Spiel, in dem die drei zusammen antraten (zehn waren es insgesamt), machte Lenstra eine der „traurigsten Erfahrungen seiner Laufbahn“.[19] Es war am 25. September 1957. In der Qualifikation zur WM in Schweden brauchten die Niederländer einen Sieg gegen Österreich. Im Amsterdamer Olympiastadion hatte aber Hanappi die Österreicher nach einer halben Stunde in Führung gebracht; dem Rückstand liefen die Mannen von Bondscoach Elek Schwartz hinterher, bis in der 61. Minute Lenstra den Ausgleichstreffer markierte.[22] In seinen autobiografischen Aufzeichnungen Voetbal-leven („Fußball-Leben“) schildert Lenstra was folgte:

Hundert Sekunden vor dem Schlusspfiff verpasste ich die Chance meines Lebens. Nach einem Sololauf aus dem Mittelfeld heraus kam ich ganz nah vors österreichische Tor. Ein Treffer war dicke möglich. Aber ich schoss genau in die Hände von Keeper Schmidt![23] Ich hätte heulen können.[24]

Das Spiel endete unentschieden, Österreich fuhr zur WM.

Lenstras letztes Spiel in Oranje war am 19. April 1959, wiederum in Amsterdam, ein 2:2-Unentschieden gegen Belgien, bei dem der 38-Jährige in der 73. Minute den Anschlusstreffer zum 1:2 erzielte. Insgesamt kam er auf 47 Spiele in der Nationalelf; in drei dieser Begegnungen trug er die Kapitänsbinde.[25]

Bearbeiten Trainer

Nach dem Krieg hatte Lenstra zeitweilig bereits das Training des VV Heerenveen als Spielertrainer geleitet, damals „ein Glücksgriff, denn die Mannschaft blühte auf“[26] und der Klub holte mit ihm den vierten Noord-Titel in Folge. Nach der aktiven Laufbahn arbeitete Lenstra als Trainer bei unterklassigen Vereinen: bei SOS in Hellendoorn, in Wijhe, bei DOS Kampen, DOS'19 in Denekamp, dem WSV in Apeldoorn und beim FC Assen. Dabei legte er einige für einen Trainer auch schon damals eher ungewöhnliche Verhaltensweisen an den Tag. Er ließ die Spieler Waldläufe machen und Bockspringen, während er bei Kälte in seinem Auto sitzen blieb; er zog sich zum Training nicht um und kam auch oft nicht zu den Spielen. In Assen dauerte sein letztes Trainerengagement 1972 nur ein halbes Jahr. Ein Streit mit Spielern über deren Haarlänge endete damit, dass diese ihn in seiner Kleidung unter die Dusche stießen.[17]

Bearbeiten Abseits des Fußballplatzes

Abe Lenstra wurde am 27. November 1920 als zweiter Sohn des Handlungsreisenden Mindert Jans Lenstra und seiner Frau Janke, geborene Suierveld, geboren. Nachdem sein Bruder Jan nach dem Großvater Lenstra benannt wurde, erhielt der jüngere Sprössling den Vornamen von Jankes Vater Abe Wytzes Suierveld. Der Name war mindestens seit dem Jahr 1500 Familientradition, als ein Vorfahre namens Abe Hania eine Frau adeliger Herkunft geehelicht hatte.[27] Die Familie lebte zunächst in einer von Arbeitern geprägten Gegend; beide Großväter wie auch Mindert Lenstra waren Anhänger von Ferdinand Domela Nieuwenhuis, der als erster Sozialist aus dem Wahlbezirk Schoterland 1888 für die Friese Volkspartij in die Tweede Kamer gewählt worden war. Abe und sein Bruder wuchsen in einem nicht kirchlich orientierten Umfeld auf; am Tag der Arbeit hing an ihrem Haus wie an fast allen Häusern in ihrer Straße die rote Fahne.[28]

Abe war seit 1944 verheiratet mit Hiltje „Hil“ Lenstra-Wisman; das Paar hatte zwei Töchter. Neben dem Fußball arbeitete er zunächst in der Gemeindeverwaltung im Einwohneramt. Später machte er auch Werbung, unter anderem für C&A und Coca-Cola; auch seine Frau wurde für die Reklame entdeckt, sie warb für Maggi Goldbouillon.[16]

Sowohl in Friesland wie auch in den gesamten Niederlanden genoss Lenstra unter den Fußballfans enorme Popularität. Heerenveen wurde in den 1950er Jahren seinetwegen gern auch als Abeveen bezeichnet. Er selbst wurde auf Friesisch auch ús Abe („uns' Abe“) genannt. Mit Faas Wilkes und Kick Smit diente Abe Lenstra als Vorlage für den Fußball spielenden Comicstrip-Helden Kick Wilstra.[29] Abe Lenstra wurde 1951 zum ersten Sportler des Jahres der Niederlande gewählt; 1952 wurde ihm dieser Titel ein zweites Mal zuerkannt. Bis heute wird er als einer der größten niederländischen Fußballspieler betrachtet. Noch Jahre nach seinem Abschied aus der Nationalmannschaft skandierten die niederländischen Fans bei einem schlechten Spiel des Teams seinen Vornamen.[11] Riemer van der Velde, ehemaliger Präsident des SC Heerenveen, sieht Lenstra gar als den allergrößten, sogar vor König Johan:

Wenn nicht Johan Cruijff, sondern Abe Lenstra in Amsterdam geboren wäre, dann wäre nicht Cruijff, sondern Abe zum Fußballer des Jahrhunderts gewählt worden.[30]

Bei seinen Sportkameraden kam er weniger gut an. Er war eigensinnig und launisch; in Gesprächen mit ehemaligen Mitspielern Lenstras fand Tom van Hulsen, Chefredakteur von Voetbal international, heraus, dass alle den Heerenveener als Fußballer ehrten und respektierten, aber niemand ihn sympathisch fand. Die Nationalspieler waren froh gewesen, wenn Abe mal wieder mit dem KNVB im Streit lag, denn dann war die Atmosphäre bei Oranje gleich besser.[31] Jan Steenhuizen, ehemaliger Vorsitzender des SC Heerenveen und von Beruf Arzt, charakterisierte ihn mit den Worten:

Abe war als Mensch ein Ekel, ein übler Mann. Kein Wunder, dass er früher als Fußballer so viele Probleme hatte.[32]

1958 versuchte Lenstra sich auch als Sänger; vor dem Entscheidungsspiel um die Meisterschaft nahm er eine Single auf mit den Titeln Geen woorden, maar daden („Keine Worte, sondern Taten“) und Bij ons in Holland („Bei uns in Holland“).[33] Die A-Seite[34] soll er nach Angaben des Journalisten Jurryt van de Vooren[35] vor dem Spiel gegen DOS beim Stadionsprecher hinterlegt haben, damit der sie zur Siegerehrung abspiele. Dazu kam es nicht, da Enschede verlor. Die Single wurde von Philips veröffentlicht, konnte aber keinen großen Verkaufserfolg erzielen[36] und gilt heute als Rarität. Das Lied Geen woorden, maar taten basiert auf einem Vereinslied des Rotterdamer Klubs Coal 1 und wurde als Hand in hand, kameraden in den 1960er Jahren mit leicht verändertem Text zur „Hymne“ der Fans von Feijenoord.

Nach dem Ende seiner aktiven Zeit verdiente Lenstra sein Geld neben seinen Trainerjobs als Vertreter einer Brauerei. Als er in Assen Trainer war, machte ihn Juwelier Klaas Oosterhof, ehemaliger Linksaußen des SC Heerenveen, zum Leiter seines Geschäfts in Hoogeveen.[17]

Als der Sportsmann, der zeitlebens weder rauchte noch trank, 1977 eine Hirnblutung erlitten hatte, die ihn für den Rest seines Lebens an den Rollstuhl fesselte, kehrten die Lenstras im folgenden Jahr auf Initiative des Komitees Abe weer thuis („Abe wieder nach Hause“) nach Heerenveen zurück. Ehrenvorsitzender dieses Komitees – das vor allem dafür sorgte, dass Lenstra eine behindertengerechte Wohnung erhielt[16] – war Prinz Bernhard, selbst ein Bewunderer von Lenstras Fußballkünsten.[19]

Lenstra starb 64-jährig in seiner Geburtsstadt, zwei Tage vor dem Länderspiel der Elftal gegen Bulgarien im Sportpark Noord, dem Stadion des SC Heerenveen, zu dem der KNVB ihn als Ehrengast eingeladen hatte. Sein Leichnam wurde am 6. September 1985 im Krematorium in Goutum eingeäschert.

Bearbeiten Erfolge und Ehrungen

Das Abe-Lenstra-Stadion in Heerenveen
Das Abe-Lenstra-Stadion in Heerenveen

Von 1942 bis 1951 wurde Lenstra mit dem VV Heerenveen neunmal in Folge Meister der Eerste Klasse Noord.

1947, 1948 (mit Heerenveen) und 1958 (mit SC Enschede) war er niederländischer Vizemeister.

In den Jahren 1951 und 1952 wurde er in den Niederlanden zum Sportler des Jahres gewählt.

Der Heerenveener Sportpark Noord wurde am 15. März 1986 in Abe Lenstra Stadion umbenannt.[12] Als der Verein 1994 ein neues Stadion baute, wurde es ebenfalls Abe-Lenstra-Stadion benannt. An seinem Haupteingang steht ein Standbild des Fußballspielers Lenstra. Eine Straße am Stadion heißt Abe Lenstra Boulevard; die offizielle Adresse des Vereins ist die Nummer 19 an diesem Boulevard.

Als Johan Cruyff im Jahr 2000 eine Oranje-Elf des Jahrhunderts zusammenstellte, war Lenstra der einzige verstorbene Spieler, der in diese Elf berufen wurde. 1995 wurde Lenstras Leben zur Grundlage des Musicals Abe!, das im Stadion im Rahmen des Frysk Festival uraufgeführt wurde und in dem einige Szenen aus dem legendären 6:5-Sieg gegen Ajax nachgespielt wurden; der damalige Heerenveen-Profi Ronnie Pander übernahm die Rolle Lenstras.

Bearbeiten Literatur

  • Johann Mast, Abe. Het levensverhaal van Nederlands eerste grote sportidool, Tirion Uitgevers, Baarn 2007, ISBN 978-90-4390-983-9
  • Yme Kuiper, Abe Lenstra (1920–1985). Van Us Abe tot nationaal idool; in: Fryslân, Nieuwsblad voor geschiedenis en cultuur, Jg. 6 (2000), Ausgabe 2, S. 50–53. (Online-Version)

Bearbeiten Einzelnachweise

  1. a b c d e Lenstra, Abe (1920–1985), Instituut voor Nederlandse Geschiedenis, Version vom 13. März 2008, gesichtet am 3. Juli 2008
  2. Johann Mast, Abe. Het levensverhaal vna Nederlands eerste grote sportidool, Tirion Uitgevers, Baarn 2007, ISBN 978-90-4390-983-9, S. 20
  3. Mast, Abe, S. 27
  4. „Abe Lenstra was veruit de beste voetballer die Heerenveen heeft voortgebracht.“ in: Abe Lenstra: groots en grillig, Biografie beim SC Heerenveen
  5. Ausnahme: 1944/45 gab es keinen Spielbetrieb. Netherlands Eerste Klasse Noord Final League Tables 1916–1950, Statistik bei rsssf.com
  6. Netherlands Final League Tables 1898–1954, Statistik bei rsssf.com
  7. „Met een fluwelen techniek, een grandioos inzicht, een flitsend schot, plus een paar schijnbewegingen verschalkte hij zijn tegenstanders. Abe was een merkwaardige speler, die soms de indruk wekte dat hij te weinig aan het spel deelnam, maar ineens in een flitsend moment vriend en vijand versteld doet staan door een vlijmscherpe pass, een handige truc of een dodelijk schot.“ aus: Abe Lenstra. Een voetballegende uit Friesland, gesichtet am 30. Juni 2008
  8. „Een goede voetballer is net een snoek; je hoeft niet veel te doen, als je maar op tijd toehapt.“ Zitiert nach CV Abe Lenstra, Voetbalfocus, gesichtet am 3. Juli 2008
  9. „een 'genie met remmingen'“, Biografie Abe Lenstra (voetbal – Heerenveen), 3voor12-Website vom 20. Juni 2007, gesichtet am 4. Juli 2008
  10. „Zoals tijdens het kampioenschap van Nederland in 1951. Heerenveen speelde matig en Abe, die zich niet geheel fit voelde, liet de thuiswedstrijd tegen Blauw Wit aan zich voorbijgaan. Hij kwam zelfs niet naar het sportpark om het duel te zien. Tegenover een journalist liet hij weten voetbalmoe te zijn!“, Abe Lenstra: groots en grillig, Biografie beim SC Heerenveen
  11. a b Abe Lenstra. Een voetballegende uit Friesland, gesichtet am 30. Juni 2008
  12. a b c d Abe Lenstra: groots en grillig, Biografie beim SC Heerenveen
  13. „Als je prof wordt, heb je niks meer te vertellen en kan de club met je doen wat ze wil“; zitiert nach Abe Lenstra. Een voetballegende uit Friesland, gesichtet am 30. Juni 2008
  14. Heerenveen, club met rijke en mooie historie, Website des SC Heerenveen, gesichtet am 3. Juli 2008
  15. Herman van Veen in seinem Weblog vom 13. März 2006, gesichtet am 1. Juli 2008
  16. a b c d Abe Lenstra bei senior-plaza.nl, gesichtet am 3. Juli 2008
  17. a b c Johan Derksen, Abe was een klier van een vent, een nare man, Voetbal international vom 9. Juli 2007, gesichtet am 3. Juli 2008
  18. Zitiert nach Yme Kuiper, Abe Lenstra (1920–1985). Van Us Abe tot nationaal idool, gesichtet am 30. Juni 2008
  19. a b c Yme Kuiper, Abe Lenstra (1920–1985). Van Us Abe tot nationaal idool, gesichtet am 30. Juni 2008
  20. Filmberichte über dieses und das folgende Spiel gegen Belgien gibt es auf der Website Geschiedenis.nl
  21. Spieldaten beim KNVB
  22. Spielstatistik beim KNVB
  23. Gemeint ist Kurt Schmied; vergleiche Spielaufstellung beim ÖFB
  24. „Triest genoeg miste ik honderd seconden voor het einde echter de kans van mijn leven. Na een soloren van het middenveld af kwam ik heel dicht bij het Oostenrijkse doel. Een doelpunt zat er dik in. Laat ik nu precies in de handen van keeper Schmidt schieten! Ik kon wel huilen. Het was een van de somberste ervaringen uit mijn loopbaan.“ Zitiert nach Yme Kuiper, Abe Lenstra (1920–1985). Van Us Abe tot nationaal idool, gesichtet am 30. Juni 2008
  25. Statistik bei voetbalstats.nl
  26. De grote kampioensploeg: negen titels op rij!, Website des SC Heerenveen, gesichtet am 4. Juli 2008
  27. Mast, Abe, S. 9
  28. Mast, Abe, S. 10f
  29. De Kick Wilstra Site, gesichtet am 26. Juni 2008.
  30. „Als niet Johan Cruijff maar Abe Lenstra in Amsterdam geboren was, dan was niet Cruijff maar Abe tot voetballer van de eeuw gekozen.“ Zitiert nach Abe – Het levensverhaal van Nederlands eerste sportidool, Buchbesprechung bei ENVB.nl
  31. „VI-chefredacteur Tom van Hulsen maakt al jaren de rubriek Anno in dit blad. Hij bezoekt wekelijks ex-voetballers die over hun verleden praten en hoorde daarbij alle klaagzangen aan van spelers die ooit de kleedkamer met Abe deelden. Ze waardeerden en respecteerden hem als voetballer, maar niemand vond hem sympathiek. Internationals waren blij als Abe weer eens een conflict had, dan was de sfeer meteen een stuk beter bij Oranje.“ Johan Derksen, Abe was een klier van een vent, een nare man, Voetbal international vom 9. Juli 2007, gesichtet am 3. Juli 2008
  32. „Abe was in wezen een klier van een vent, een nare man. Geen wonder dat hij vroeger als voetballer zoveel problemen had.“ Zitiert nach Johan Derksen, Abe was een klier van een vent, een nare man, Voetbal international vom 9. Juli 2007, gesichtet am 3. Juli 2008
  33. Informationen und Coverfoto bei geschiedenis.n., gesichtet am 3. Juli 2008
  34. Im Blog des SC Heerenveen gibt es weitere Informationen und einen Link zu einer Hörprobe
  35. http://www.nu.nl/news/964976/951/Hand_in_hand_voor_Abe_Lenstra.html Hand in hand voor Abe Lenstra, NU.nl vom 3. Februar 2007, gesichtet am 3. Juli 2008
  36. Abe Lenstra zingt, historen.nl, gesichtet am 3. Juli 2008

Bearbeiten Weblinks

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