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Die Endrunde der 5. Fußball-Weltmeisterschaft wurde vom 16. Juni bis zum 4. Juli 1954 in der Schweiz ausgetragen. Es traten sechzehn Nationalmannschaften zunächst in Gruppen- und danach in Ausscheidungsspielen gegeneinander an. Außenseiter Deutschland gewann das Turnier nach einem 3:2-Sieg über die favorisierten Ungarn im Finale von Bern und wurde damit zum ersten Mal Fußball-Weltmeister. Für die Menschen in Deutschland erhielt das „Wunder von Bern“, wie der Sieg genannt wurde, Symbolkraft als ein Zeichen des Aufbruchs nach dem verlorenen Weltkrieg und den Entbehrungen der Nachkriegszeit. Im Spiel um den dritten Platz besiegte Österreich den Weltmeister von 1950 Uruguay mit 3:1. Torschützenkönig des Turniers wurde mit elf Treffern der kopfballstarke ungarische Stürmer Sándor Kocsis. Die Fußballweltmeisterschaft 1954 wurde in sechs verschiedenen Schweizer Städten ausgetragen. Insgesamt rund 890.000 Besucher verfolgten die 26 Begegnungen des zweieinhalbwöchigen Turniers in den Stadien. Darüber hinaus sahen die erstmals live übertragenen Spiele mehrere Millionen Menschen vor den Fernsehgeräten.
Bearbeiten Gastgeber und AustragungsorteDie Schweiz bewarb sich beim 25. FIFA-Kongress Ende Juli 1946 in Luxemburg, dem ersten FIFA-Nachkriegskongress, zunächst als Ausrichter der WM 1950. Die Bewerbung des Schweizerischen Fussballverbandes wurde zunächst vor allem auf Grund des kleinen Landes und der kleinen Stadien mit großer Skepsis betrachtet, woraufhin die Schweizer auf ihre Verdienste als kriegsneutrales Land sowie ihrer bedeutenden Rolle in der Organisation des Weltfußballs − unter anderem als Hauptsitz der FIFA – verwiesen. Nach hitzigen Debatten wurde von den 80 Delegierten auf dem Luxemburger Kongress schließlich ein Kompromiss ausgehandelt. Brasilien sollte die nächste Weltmeisterschaft, die ursprünglich für 1949 geplant war austragen. Die Schweiz bekam den Zuschlag für eine Zwischen-WM im Jahr 1951, bevor ab der WM 1954, für deren Austragung Schweden als heißer Favorit galt, wieder auf den althergebrachten Vierjahres-Rhythmus gewechselt werden sollte. Nachdem das FIFA-Exekutivkomitee am 18. Januar 1947 die Weltmeisterschaft in Brasilien „wegen Zeitknappheit für die Bildung der Ausscheidungsgruppen“ um ein Jahr auf 1950 verschob, wurde mit diesem Beschluss auch das Schweizer Interimsturnier gestrichen. Weil Schweden als Veranstalter für die Weltmeisterschaft 1954 jedoch so gut wie feststand, hätten die Schweizer bis 1958 warten müssen. Aufgrund des 1954 anstehenden Jubiläums der 50-jährigen FIFA-Mitgliedschaft bedrängten die Schweizer Verantwortlichen die Schweden, mit ihnen zu tauschen und hatten Erfolg. Schweden zog seine Kandidatur für 1954 zurück und ließ sich auf 1958 vertrösten, worauf die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 offiziell auf dem FIFA-Kongress 1948 in London an die Schweiz vergeben wurde.[1] Die Spiele wurden an folgenden Orten ausgetragen:[2]
Aus heutiger Sicht fast unvorstellbar übernachteten die Spieler der Nationalmannschaften von Brasilien und der Schweiz nur 20 Meter voneinander entfernt in Magglingen. Die deutsche Nationalmannschaft übernachtete während der Weltmeisterschaft in Spiez. Bearbeiten QualifikationHauptartikel: Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 1954 Die Bewerbungsfrist zur Teilnahme an der Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 1954 endete am 31. Januar 1953.[3] Neben den als Titelverteidiger beziehungsweise Gastgeber direkt qualifizierten Mannschaften aus Uruguay und der Schweiz bewarben sich 43 weitere Nationen um die restlichen vierzehn Startplätze für das Endturnier in der Schweiz. Nachdem elf Anmeldungen – darunter die der früheren WM-Teilnehmer Niederlande, Bolivien und Peru – von der FIFA aufgrund ihrer verspäteten Anmeldung nicht zugelassen wurden und Polen, die Volksrepublik China sowie Taiwan ihre Meldungen zurückzogen, nahmen schließlich 34 Nationalmannschaften an der Qualifikation teil, was einen neuen Teilnehmerrekord bedeutete. Mit Ausnahme Argentiniens waren somit zum ersten Mal alle großen Fußballnationen vertreten. Die Qualifikationsgruppen wurden am Wochenende des 15. Februar 1954 durch das Organisationskomitee der FIFA-Weltmeisterschaft festgelegt.[3] Hierbei wurden die Mannschaften den einzelnen Gruppen jedoch nicht per Los, sondern aufgrund mehr oder weniger geografischer Gesichtspunkte zugeteilt, was zum Teil zu heftigen Protesten führte. Überraschend bei den vom 9. Mai 1953 bis 4. April 1954 dauernden Qualifikationsspielen war das Scheitern von Spanien, dem WM-Vierten von 1950, und Schweden, das bei den Olympischen Spielen 1948 mit dem Gewinn der Goldmedaille und vier Jahre zuvor in Brasilien mit dem dritten Platz überrascht hatte. Die Skandinavier mussten sich in ihrer Qualifikationsgruppe der Mannschaft Belgiens geschlagen geben, was vor allem daran lag, dass die besten Spieler Schwedens für die Nationalmannschaft nicht einsetzbar waren, weil sie als Profis in Italien oder Frankreich spielten und der schwedische Verband sie dadurch nicht berücksichtigte. Spanien verpasste die Qualifikation äußerst unglücklich. Nachdem man den einzigen Gruppengegner Türkei im Hinspiel noch mit 4:1 besiegt hatte, unterlagen die Spanier im Rückspiel mit 1:0. Da bei Punktgleichheit das Torverhältnis nicht zählte, bedeutete dies ein Entscheidungsspiel auf neutralem Platz, welches mit 2:2 nach Verlängerung endete. Das Los entschied schließlich für die Türkei, die damit erstmals eine WM-Endrunde erreichte. Neben der türkischen Mannschaft schafften auch Schottland sowie Südkorea - das sich etwas unerwartet gegen Japan durchsetzte – erstmals die Qualifikation. Als überlegene Gruppensieger setzen sich zudem Deutschland, England, Frankreich, Italien, Jugoslawien, Brasilien und Mexiko durch. Ungarn erreichte das Endrundenturnier aufgrund des Rückzuges des polnischen Verbandes ohne ein einziges Spiel auszutragen.[4] Für die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz qualifizierten sich schließlich folgende Mannschaften:
Bearbeiten ModusDie WM 1954 wurde nach einem neuen, sehr umstrittenen Modus ausgetragen. Die 16 Teilnehmer bildeten vier Gruppen mit jeweils vier Mannschaften. Um die Anzahl der auszutragenden Spiele zu reduzieren und ein vorzeitiges Ausscheiden der Favoriten – welche ein hohes Zuschaueraufkommen erwarten ließen – zu verhindern, gehörten jeder Gruppe zwei gesetzte und zwei ungesetzte Mannschaften an, welche in den Gruppenspielen nicht gegeneinander zu spielen brauchten. Ein Sieg wurde mit zwei Punkten gewertet. Vorrundenspiele, die nach der regulären Spielzeit unentschieden standen, wurden um zweimal 15 Minuten verlängert. Gab es danach immer noch keinen Sieger, wurden die Punkte geteilt. Nach den Gruppenspielen qualifizierten sich die beiden Erstplatzierten jeder Gruppe für das Viertelfinale. Bei der Ermittlung der Platzierungen wurden hierbei lediglich die erzielten Punkte, nicht das Torverhältnis gewertet. So wurde bei Punktgleichheit auf dem zweiten und dritten Platz ein Entscheidungsspiel um den Einzug ins Viertelfinale angesetzt. Bei Punktgleichheit auf dem ersten und zweiten Platz entschied das Los, so dass hierdurch auch zwei Mannschaften mit schlechterem Torverhältnis Gruppensieger wurden. Ab dem Viertelfinale wurde das Turnier im K.-o.-System ausgetragen, bei dem sich der Sieger für die nächste Runde qualifizierte und der Verlierer ausschied. Ein Unentschieden in den K.-o.-Rundenspielen hätte zunächst zur Verlängerung der Spielzeit geführt. Hätte auch die Verlängerung keine Entscheidung gebracht, wäre der Sieger durch das Los ermittelt worden. Beim Endspiel hätte es eine Neuansetzung des Finales gegeben. Erst nach einem Unentschieden trotz Verlängerung im zweiten Finale hätte das Los die Weltmeisterschaft 1954 entschieden.[5] Bearbeiten AuslosungDie Auslosung der Vorrundengruppen der WM-Endrunde fand am 30. November 1953 in Zürich statt.[3] Für die Auslosung wurden die Mannschaften gemäß dem Modus anhand ihres vermeintlichen Leistungsvermögens in gesetzte und ungesetzte Mannschaften unterteilt. Eine Besonderheit hierbei war, dass die Auslosung und Bestimmung der gesetzten Mannschaften bereits vor Abschluss der Qualifikationsspiele stattfand. So gehörten die Mannschaften Italiens und Spaniens zu den gesetzten Teams, obwohl die sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal qualifiziert hatten. Dies führte schließlich dazu, das nach dem Ausscheiden Spaniens gegen die Türkei diese den Platz der gesetzten Spanier einnahmen, obwohl die Türken deutlich schwächer als andere ungesetzte Nationen wie Belgien, Schottland oder Deutschland eingeschätzt wurden.[5]
* Die fettgedruckten Mannschaften wurden zum Zeitpunkt der Auslosung von der FIFA favorisiert sich für die Endrunde zu qualifizieren.
Bearbeiten SpielergebnisseBearbeiten GruppenspieleBearbeiten Gruppe 1
Das Eröffnungsspiel der Endrunde der 5. Fußball-Weltmeisterschaft wurde 16. Juni 1954 durch Jugoslawien und Frankreich in Lausanne ausgetragen. Bereits in der 15. Minute schoss Miloš Milutinović das entscheidende Tor zum 1:0-Erfolg für die Jugoslawen. Im zweiten Spiel der Gruppe setzte sich Brasilien gegen den Außenseiter aus Mexiko mit 5:0 durch. Eine spannende Partie wurde die Auseinandersetzung zwischen den beiden Siegern des 1. Spieltages, Brasilien und Jugoslawien. Nach 120 Minuten stand es schließlich 1:1 durch die Tore des späteren, zweifachen Weltmeisters Didi und durch den späteren Bundesliga-Trainer Branko Zebec. Damit waren beide Mannschaften qualifiziert, denn der gleichzeitige 3:2-Erfolg Frankreichs über Mexiko half den Franzosen nicht zum Weiterkommen. Die Mexikaner mussten auch bei ihrer dritten WM-Teilnahme nach 1930 und 1950 ohne Punktgewinn die Heimreise antreten. Bearbeiten Gruppe 2
In der Gruppe 2 starteten die als größter Favorit auf die Weltmeisterschaft geltenden Ungarn, die bereits in den Jahren zuvor die ganze Welt mit fantastischem Offensivspiel begeistert hatten, mit einem 9:0-Kantersieg gegen den WM-Neuling Südkorea. Deutschland hatte, nach einem vierzehntägigen Trainingslager in München-Grünwald, in seinem ersten Spiel die gesetzten Türken als Gegner. Obwohl Deutschland bereits nach drei Minuten in Rückstand geriet, setzen sich die Akteure um Spielmacher Fritz Walter letzten Endes durch. Schäfer glich nach einer knappen Viertelstunde aus. Trotz eindeutiger Überlegenheit dauerte es bis zur 50. Minute, ehe Klodt das 2:1 besorgte. Danach stellten Ottmar Walter und Max Morlock noch das Endergebnis von 4:1 her. Nachdem der klare Auftaktsieg gegen die gesetzten Türken das Weiterkommen in Aussicht gestellt hatte, stellte Sepp Herberger gegen die Ungarn nur ein besseres Reserveteam auf, da die einzige Konsequenz der absehbaren Niederlage ein zusätzliches Entscheidungsspiel gegen die Türkei um Platz zwei war. Das Spiel gegen die stark aufspielenden Ungarn endete 3:8. Da die Türken Südkorea mit 7:0 besiegt hatten, mussten die Deutschen wie erwartet ein zweites Mal gegen die Türkei antreten. Wieder mit der vermeintlich besten Aufstellung angetreten, wurde auch die zweite Auseinandersetzung zwischen den beiden Kontrahenten ein Siegeszug für die Deutschen. 7:2 hieß das eindeutige Endergebnis, wobei Max Morlock mit drei Treffern besonders auffiel. Bearbeiten Gruppe 3
Neben Ungarn war der amtierende Weltmeister Uruguay ein zweiter Titelfavorit. Die Mannschaft, die im Vergleich zur Weltmeisterschaft 1950 nur wenig verjüngt wurde, begann im ersten Spiel der Gruppe 3 gegen die Tschechoslowakei sehr vorsichtig, so dass es zur Überraschung der Zuschauer nach 45 Minuten noch 0:0 stand. Erst nach der Halbzeitpause verschärfte der Titelverteidiger das Tempo und kam durch Tore von Mínguez und Schiaffino zum Sieg. Auch das zweite Vorrundenspiel gewann Uruguay gegen die überforderten Schotten mit 7:0, womit man erwartungsgemäß die nächste Runde erreichte. Neben Uruguay setzten sich in Gruppe 3 die stark spielenden Österreicher durch. Die Mannschaft um Spieler wie Ocwirk, Happel, Stojaspal oder Probst beherrschte ihre Vorrundengegner. Schottland wurde 1:0 und die Tschechoslowakei 5:0 besiegt. Österreich war somit im Viertelfinale und wurde durch das Los trotz schlechterer Tordifferenz gegenüber Uruguay Gruppensieger. Bearbeiten Gruppe 4
Spannend ging es in der Gruppe 4 zu. Das bei seinem ersten WM-Auftritt vier Jahre zuvor blamabel gegen die USA ausgeschiedene Team aus England war im Spiel gegen Belgien klarer Favorit, konnte jedoch nur ein 4:4 nach Verlängerung erzielen. Im zweiten Spiel besiegte Gastgeber Schweiz die Mannschaft Italiens, die sich trotz großer Feldüberlegenheit kaum einmal entscheidend gegen die von den Schweizern praktizierte Riegelvariante durchsetzen konnten, mit 2:1. Nach dem abschließenden 2:0 Englands gegen die Schweiz waren die Briten als Gruppensieger für das Viertelfinale qualifiziert. Durch das 4:1 gegen Belgien wahrte Italien seine Chance auf den Turnierverbleib. Im aufgrund der Punktgleichheit beider Mannschaften nötig gewordenen Entscheidungsspiel trafen Italien und die Schweiz zum zweiten Mal bei dieser WM aufeinander. Aufgrund der von den Italienern beim 4:1 gegen Belgien gezeigten Form schienen die Vorzeichen für die Südeuropäer zu sprechen. Nachdem jedoch Josef Hügi die Schweiz nach 14 Minuten in Führung schoss, hatten diese ein klares Übergewicht. Kurz nach der Pause erzielte Robert Ballaman das 2:0. Gegen die nach dem Anschlußtreffer durch Fulvio Nesti unkontrolliert anstürmenden „Azzurri“ gelangen dem WM-Gastgeber in der Schlußphase noch zwei Konter, die den Endstand von 4:1 herstellten. Das Scheitern des zweimaligen Weltmeisters Italien, und der Viertelfinaleinzug der Schweiz war somit die erste große Überraschung der WM 1954. Bearbeiten Viertelfinale
Das in Lausanne zwischen dem Gastgeber Schweiz und Österreich stattfindende Viertelfinalspiel stellt bis heute noch das torreichste Spiel der WM-Geschichte dar. In der „Hitzeschlacht von Lausanne“ führten die Schweizer nach 23 Minuten bereits 3:0. Zwölf Minuten später lag Österreich jedoch bereits mit 5:3 vorn. Mit 5:4 kamen die Mannschaften aus den Kabinen. 6:4, 6:5 und 7:5 war die weitere Treffer-Folge womit Österreich die Schweiz etwas überraschend aus dem Turnier geworfen hatte. Mit Titelverteidiger Uruguay und England trafen im zweiten Viertelfinale zwei zum Favoritenkreis gehörende Mannschaften aufeinander. Den besseren Start erwischten die Südamerikaner. Bereits nach knapp fünf Minuten konnte Carlos Borges die Verwirrung in der englischen Hintermannschaft nutzen und zum 1:0 abstauben. In der 16. Minute sorgte der englische Mittelstürmer Nat Lofthouse zwar für den Ausgleich, was die Uruguayer jedoch in der Folgezeit nicht aus dem Rhythmus bringen ließ. Mit Toren in der 39. Minute und kurz nach der Halbzeitpause, bei denen der englische Torhüter Gil Merrick recht unglücklich aussah, gingen die Südamerikaner mit 3:1 in Führung. Die stark kämpfende, aber spielerisch enttäuschenden Briten kamen durch Tom Finney zwar noch einmal zum Anschluss, nach dem 4:2 durch Javier Ambrois in der 79. Minute war die Begegnung jedoch zugunsten des amtierenden Weltmeisters entschieden. Als ruppigste und von übermäßiger Härte überschattete Begegnung des Turniers blieb der 4:2-Sieg von Ungarn über Vize-Weltmeister Brasilien in Erinnerung. Die Brasilianer verloren Nilton Santos und Humberto, die Ungarn Boszik durch Platzverweis. Nach der Partie prügelten sich die Beteiligten in den Kabinengängen weiter. Doch wieder hatten die Ungarn das bessere Team gestellt und ihre Favoritenrolle auf den Titel untermauert. Deutschland musste sich mit den starken Jugoslawen messen und galt als Außenseiter. Durch ein unglückliches Eigentor von Horvath gingen die Deutschen nach neun Minuten in Führung. Dann begann eine Abwehrschlacht gegen die unaufhörlich angreifenden Jugoslawen. Doch Glück und Können in Person des fantastisch haltenden Toni Turek im Tor der Deutschen halfen, den immensen Druck des Gegners zu überwinden. Ein Konter in der 85. Minute brachte gar noch das 2:0 durch Helmut Rahn und den überraschenden Einzug der deutschen Mannschaft ins Halbfinale. Bearbeiten Halbfinale
Auch Österreich ging gegen die Deutschen als Favorit in die Semifinalbegegnung. Nach beidseitig schwachem Beginn gelang Schäfer das 1:0 für Deutschland. Nach der Pause kamen die Österreicher stark auf, doch Turek erwies sich wieder als unüberwindlich. Ein Eckstoß von Fritz Walter war der Ausgang für das wichtige 2:0 durch Max Morlock, mitten in der Drangperiode Österreichs. Zwar fiel kurz danach das 1:2, als Schäfer jedoch aussichtsreich im Strafraum gefoult wurde und Fritz Walter per Elfmeter das 3:1 markierte, war das Spiel entschieden. Gegen die nun nahezu wehrlosen Österreicher schossen Fritz und zweimal Ottmar Walter noch einen 6:1-Sieg und die sensationelle Finalteilnahme heraus. Wie erwartet lief die vermeintliche Wachablösung des amtierenden Weltmeisters Uruguay durch Ungarn im zweiten Halbfinalspiel ab. Jedoch war es für die Ungarn gegen den bislang bei Weltmeisterschaften ungeschlagenen Titelverteidiger wiederum ein schwer erkämpfter Sieg nach Verlängerung. Die Ungarn führten schon 2:0, doch sie mussten noch in der regulären Spielzeit das 2:2 hinnehmen. In der Verlängerung setzte sich jedoch die Spielkunst der Ungarn durch. Torjäger Kocsis war nicht mehr zu halten und schoss die Favoriten mit zwei Treffern zum 4:2-Erfolg ins Endspiel. Bearbeiten Spiel um Platz 3
Einen Tag vor dem Endspiel wurde im Zürcher Hardturmstadion das Spiel um Platz drei ausgetragen. Am 3. Juli 1954 trafen dabei der entthronte Weltmeister Uruguay und die Mannschaft Österreichs aufeinander. In einem die 30.000 Zuschauer kaum begeisternden Spiel wirkten die Österreicher insgesamt etwas frischer und motivierter als ihre südamerikanischen Konkurrenten, denen man den Kräfteverschleiß aus der Verlängerung ihres Halbfinalspiels gegen Ungarn noch anmerkte. So ging Österreich in der 16. Spielminute auch durch einen von Ernst Stojaspal verwandelten Foulelfmeter in Führung. Der Ausgleich sechs Minuten später durch Juan Hohberg brachte Uruguay zurück ins Spiel. Zwei weitere Tore in der zweiten Halbzeit bedeuteten den 3:1-Sieg und den dritten Platz für Österreich, den bislang größten Erfolg der Alpenrepublik bei einer Weltmeisterschaft. Für Uruguay war dieses Spiel das Ende einer Ära. Nachdem ein Großteil der Spieler die 1950 noch Weltmeister geworden waren auch bei der WM-Endrunde 1954 noch zum Einsatz kamen, endete mit dem Turnier in der Schweiz für die meisten ihre Internationale Karriere. Vier Jahre später scheiterte der zweimalige Weltmeister erstmals in der WM-Qualifikation. Bearbeiten Finale
Im später als Wunder von Bern bezeichneten Endspiel um die Fußball-Weltmeisterschaft am 4. Juli 1954 standen sich Turnierfavorit Ungarn und der ungesetzte Außenseiter Deutschland gegenüber. Bei strömendem Regen begann das Spiel wie erwartet. Obwohl durch eine Verletzung geschwächt, brachte Ferenc Puskás die Ungarn schon in der sechsten Minute nach einem abgeprallten Kocsis-Schuss in Führung. Zwei Minuten später erhöhte Czibor nach einem schlechten Rückpass von Werner Kohlmeyer auf 2:0, ehe Max Morlock in der 11. Minute verkürzte. Die deutschen Angriffsbemühungen ebbten nicht ab und so erzielte Helmut Rahn nach Eckball von Fritz Walter und einem Fehler des ungarischen Torhüters Grosics in der 18. Minute den Ausgleich. Im Anschluss übernahmen die Ungarn wieder das Spiel, so dass eine Angriffswelle nach der nächsten auf das deutsche Tor lief. Auch in der zweiten Halbzeit änderte sich das Bild kaum. Der Favorit Ungarn kam ein ums andere Mal gefährlich vor das deutsche Tor. Hidegkuti traf nur den Pfosten, Kocsis die Querlatte, Kohlmeyer rettete auf der Linie und der deutsche Torhüter Toni Turek zeigte einige überragende Paraden. Sechs Minuten vor Ende der regulären Spielzeit nahm Flügelstürmer Helmut Rahn eine halbherzig abgewehrte Flanke auf, zog vom Strafraumeck ab und überwand Grocsis mit einem Flachschuss zum 3:2 für Deutschland. Kurz darauf wurde ein zweiter Treffer von Puskás wegen Abseitsstellung nicht anerkannt. Mit Konzentration und letzter Kraft brachte die deutsche Mannschaft die knappe Führung über die Zeit. Als der englische Schiedsrichter William Ling abpfiff, hatte die ungarische Mannschaft das erste Spiel seit 1950 verloren und mit ihm die so sicher geglaubte Weltmeisterschaft. Bearbeiten Weltmeister DeutschlandMit dem Schlusspfiff des Finales am 4. Juli 1954 wird Deutschland erstmals Fußball-Weltmeister. Zum Kader der von Sepp Herberger betreuten deutschen Mannschaft gehörten insgesamt 22 Spieler, von denen 18 das Turnier bestritten. Während der WM kamen folgende Spieler zum Einsatz:
Heinz Kubsch, Herbert Erhardt, Karl-Heinz Metzner und Ulrich Biesinger gehörten ebenfalls zum WM-Kader, spielten aber nicht im Turnier. Direkt nach dem Abpfiff fallen sich die deutschen Spieler zunächst jubelnd in die Arme und laufen danach in die Kurve der deutschen Fans, die vollkommen außer sich ihre schwarz-rot-goldenen Fahnen schwenken. Danach verteilt sich die Mannschaft vor den Rängen und feiert mit den Zuschauern die große Sensation. Nach und nach finden sich die deutschen Spieler und Verantwortlichen vor der Haupttribüne ein, wo die enttäuschten Ungarn und das Schiedsrichtergespann bereits auf die Siegerehrung warten. Der FIFA-Präsident Jules Rimet, sein Nachfolger Rodolphe William Seeldrayers, der Schweizer Bundespräsident Rodolphe Rubattel sowie der Chef des Organisationskomitees, Ernst Thommen betreten das Podium. Mit den Worten „Achtung, Achtung, Silentium! Achtung, Achtung, liebe Sportfreunde nun folgt die Übergabe des Pokals“ bittet der Stadionsprecher die Zuschauer um Aufmerksamkeit. Unter einem Regenschirm geschützt geht der 80-jährige Rimet zum Mikrofon und hält eine etwa vier Minuten dauernde Ansprache über den Verlauf des Turniers und die Entwicklung der Fußball-Weltmeisterschaft seit ihrer Premiere 1930. Gegen 19 Uhr gratuliert Rimet der deutschen Mannschaft und übergibt den nach ihm benannten Weltpokal an den deutschen Spielführer Fritz Walter. Eine Kapelle spielt die deutsche Nationalhymne. Die begeisterten deutschen Zuschauer singen, weil sie es so gewohnt sind, die erste Strophe der Hymne. Danach dreht die Mannschaft eine Ehrenrunde. Begeisterte Fans haben mittlerweile das Spielfeld gestürmt und feiern mit der deutschen Mannschaft, tragen den Kapitän, den Trainer und viele andere der Helden auf den Schultern. Am späteren Abend wird im Mannschaftsquartier in Spiez weiter gefeiert, der Mythos vom Geist von Spiez entsteht. Am Morgen des 5. Juli bricht die Mannschaft im roten Sondertriebwagen mit der Aufschrift „Fußball-Weltmeister 1954“ in Spiez auf, und fährt über Schaffhausen, Singen und Konstanz am Bodensee entlang zunächst bis Lindau. Schon unterwegs werden die Weltmeister gefeiert, müssen immer wieder für Gratulationen anhalten. Am nächsten Tag geht es von Lindau durchs Allgäu nach München. Fast jeder Ort mit Bahnhof am Rande der Strecke bereitet der Mannschaft einen besonderen Empfang. Allerdings gehen die sorgfältig vorbereiteten Choreographien und Reden zumeist im Jubel der Massen unter. Insgesamt über eine Million Menschen empfingen die DFB-Elf an jenem Dienstag an der Strecke und feierten die Mannschaft. Die für 16 Uhr geplante Ankunft in München verschiebt sich bis in den Abend. Dort nimmt Bürgermeister Thomas Wimmer die deutsche Mannschaft in Empfang. Am Abend geht es zur großen Feier in den Löwenbräukeller. Auch in den Tagen danach werden die Weltmeister in ihren Heimatstädten gefeiert.[6] Für den Titel erhielt jeder Spieler 1.000 Mark. Nach langen Verhandlungen war der DFB schließlich bereit noch einmal zusätzlich 200 DM pro Einsatz zu bezahlen. Darüber hinaus erhielt jeder Spieler der Endspielmannschaft einen Goggomobil-Motorroller von der Firma Glas[7], die Unternehmen SABA, Telefunken, Grundig und Blaupunkt überreichten jedem ein Fernsehgerät und Maggi stiftete mit ihren Produkten bestückte Geschenkkörbe.[8] Bearbeiten Torjäger
Torschützenkönig der Weltmeisterschaft wurde der Ungar Sándor Kocsis mit elf Toren. Schon beim 9:0 im ersten Spiel der ungarischen Mannschaft gegen Südkorea erzielte Kocsis drei Tore, im zweiten Vorrundenspiel gegen Deutschland sogar vier. Auch in der K.-O.-Runde schoß Sandor Kocsis im Viertel- und Halbfinale jeweils zwei Tore, doch ausgerechnet im Endspiel gegen Deutschland blieb der aufgrund der blonden Haarpracht und seiner Kopfballstärke „Goldköpfchen“ genannte Stürmer ohne Torerfolg. Auf Platz zwei der Torschützenliste folgten der deutsche Max Morlock, der Schweizer Josef Hügi und der Österreicher Erich Probst mit jeweils sechs Turniertreffern. Darüber hinaus gab es sieben Spieler mit vier erzielten Toren, zehn mit drei, elf mit zwei, sowie 27 Schützen mit einem Treffer. Hinzu kamen vier Eigentore. Bearbeiten Organisation und UmfeldBearbeiten OrganisationskomiteeZur Planung von Ablauf und Durchführung der Weltmeisterschaft 1954 wurde ein WM-Organisationskomitee (kurz OK) eingesetzt, dessen Hauptquartier sich in Zürich befand. Präsident des OK war der spätere FIFA-Vizepräsidenten Ernst Thommen. An leitender Stelle im Organisationskomitee waren neben dem Schweizer Thommen auch der Italiener Ottorino Barassi, der Schweizer Gustav Wiederkehr, FIFA-Präsident Jules Rimet sowie sieben weitere Herren vertreten.[9] Bearbeiten Visuelles ErscheinungsbildBei der Weltmeisterschaft 1954 wurde von den Organisatoren erstmals ein WM-Logo in Auftrag gegeben. Das von Schweizer Grafiker Herbert Leupin geschaffene Signet bestand aus drei Elementen und verband die Weltkugel der FIFA-Fahne mit einem Lederfußball und dem Schweizerkreuz. Umgeben war das Logo von den Schriftzügen Fussball-Weltmeisterschaft 1954 in den Sprachen deutsch, französisch und italienisch. Das Logo wurde für alle Arten der Außendarstellung verwendet und zierte beispielsweise die vom Organisationskomitee herausgegebenen Informationsbulletins und die aktuellen Mitteilungen des Pressedienstes.[9] Ein WM-Maskottchen gab es 1954 in der Schweiz noch nicht. Ein solches wurde mit World Cup Willie erstmals 1966 bei der WM in England eingeführt. Die Schweizerische Post widmete der Weltmeisterschaftsendrunde in der Schweiz und zum 50-jährigen Bestehen der FIFA eine Sonderbriefmarke.[10] Die am 15. März 1954 herausgegebene Briefmarke hatte einen Wert von 40 Rappen. Sie stellte einen Lederfußball vor einer in verschiedenen Blautönen gehaltenen Weltkarte dar.[11] Bearbeiten SponsoringSponsoring wie es heute üblich ist, gab es bei der Fußball-WM 1954 noch nicht. Die spätere Siegermannschaft aus Deutschland war damals aber schon die einzige, die im Gegensatz zu allen anderen teilnehmenden Mannschaften einen eigenen Mannschaftsbus hatte. Das Fahrzeug vom Typ O6500 wurde der deutschen Mannschaft von Magirus-Deutz zur Verfügung gestellt. Der Hersteller warb in diesem Zusammenhang für sich mit einem Foto, auf dem zwei Spieler und der Bundestrainer aus dem offenen Busfenster lächeln, und dem Slogan „Von Sieg zu Sieg mit Magirus-Deutz“.[12] Bearbeiten FinanzierungDer Etat für die Organisation der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 betrug rund 1,6 Millionen Schweizer Franken. Um das Risiko für den veranstaltenden Schweizer Fußballverband zu minimieren, wurde am 19. November 1949 der Verein Fussballweltmeisterschaft in der Schweiz gegründet, der eine breit angelegte Werbekampagne startete und somit für den finanziellen Erfolg der WM verantwortlich war.[9] Die gesamten Einnahmen betrugen rund 5,75 Millionen Schweizer Franken. An erster Stelle der Erlösseite standen rund 5,593 Millionen Franken, die aus dem Eintrittskartenverkauf umgesetzt wurden. Hinzu kam ein Betrag von 87.500 Franken von den übertragenden Radiostationen, sowie 15.000 Franken aus dem Verkauf der Fernsehübertragungsrechte. Außerdem bezahlte ein Schweizer Medienunternehmen 50.000 Franken für die Exklusiv-Filmrechte. Nach Abzug aller Unkosten blieb ein Gewinn von rund 2,75 Millionen Schweizer Franken, der anhand eines festgelegten Schlüssels aufgeteilt wurde. 60 Prozent gingen an die teilnehmenden Verbände, 15 Prozent an die FIFA und 25 Prozent an den Veranstalter.[13] Bearbeiten Zuschauer und StadienIn der mehrjährigen Vorbereitungszeit wurden die sechs Stadien, in denen die Spiele stattfanden, umgebaut un | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||